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Zwingerhund Sharky

Meine Erfahrungen mit einem ehemaligen "Zwingerhund" namens Sharky

 

 
Übersicht:  
So sah er aus, als er zu mir kam:
Sharky mit kurz geschorenen Haaren
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zur neuesten Ergänzung
 

Hallo liebe Besucher ....
Diese Seite habe ich wie ein "Tagebuch" aufgebaut, da ich sie nach und nach immer weiter ergänzen werde.

Hier möchte ich meine Erfahrungen mit einem ehemaligen Zwingerhund namens "Sharky" schildern, den ich fast sechsjährig aus einer eher zweifelhaften "Hundezucht" übernahm.

Juni und Juli 2005

Nach dem Tod meiner über 16jährigen Cairn-Terrierhündin im März leide ich sichtlich unter "Entzugserscheinungen. Ich möchte mir doch wieder einen "neuen" Hund suchen, weil's einfach langweilig ist, wenn man so lange einen Hund gewöhnt ist und nur noch in ein leeres Hundebettchen guckt.

10.07.2005

Nun wollte ich bei einem Züchter, der Mischlinge inseriert hatte, eigentlich einen Welpen aussuchen. Da shehe ich in einer der kleinen Boxen (2 qm Fläche...) einen gut 5jährigen, wuscheligen und sehr verängstigten Rüden sitzen, den der "Züchter" als Deckrüden verwendete und der jetzt "ausgemustert" werden soll, wegen "Zuchtverkleinerung".

Das Kerlchen ist ein West-Highland-White-Terrier x Shih-Tzu-Mischling, der in dem Zwinger geboren ist und ganz offensichtlich noch nie richtig Menschenkontakt hatte. Im Gegensatz zu den anderen Hunden dort, ist er sehr ängstlich (was eigentlich gar nicht typisch ist für einen Terrier-Mix). Er weicht Menschen aus, läßt sich aber mit Geduld und Leckerle nach einer Stunde an die Hand locken. Bei meinem zweiten Besuch leinte ich ihn an und ging mit ihm auf die Wiese. Das scheint er jedoch auch nicht zu kennen, sitzt nur ganz verängstigt, den Bauch auf den Boden gedrückt, und wartet, bis "alles wieder vorbei" ist. Das Kerlchen scheint noch nie Gassi-gehen kennen gelernt zu haben (was der "Züchter" natürlich verneinte...).
Bei Zuwendung zu ihm macht er vor Aufregung gleich einen Haufen. Wenn man sich ihm sehr langsam in seiner Box nähert und ihn etwas in die Ecke drängt (was natürlich nicht optimal ist), dann läßt er sich behutsam streicheln und dann an's Halsband und die Leine legen, geht aber an der Leine keinen cm weit. Auf den Arm nehmen läßt er sich (ohne fletschen, knurren oder schnappen), ist allerdings deutlich unsicher. Neugierig ist er grundsätzlich schon, aber er traut sich halt nicht, sich trauen zu dürfen.
Dem Züchter folgt er auf's Wort, oder besser gesagt: auf seine Handzeichen.

Ich arbeite zuhause, bin also sehr viel im Haus. Ein Hund muß bei mir nicht ständig alleine bleiben, aber das scheint mir bei einem Zwingerhund das kleinste Problem zu sein.
Das kleine Kerlchen tut mir irgendwie leid und es gefällt mir auch recht gut, obwohl ich mir eigentlich einen braunen Hund wünschte... Naja, jetzt würde es ein fast schwarzer werden, aber es kommt ja bekanntlich immer anders als man denkt.
Ich habe ihm für's Erste mal mein Hundekissen im Zwinger gelassen, damit er "meinen Geruch" kennenlernt, ohne vor mir Angst haben zu müssen. In zwei Tagen und dann noch einige Male werde ich ihn wieder besuchen, um langsam Vertrauen aufzubauen.

Daß der kleine Mann dieses blinde Gottvertrauen, wie es meine frühere Hündin zu mir hatte, wahrscheinlich nie ganz bekommen wird, ist mir jetzt schon klar. Aber kann man so ein fast 6jähriges Kerlchen noch so weit bekommen, daß es das Leben im Haus mit Garten auch genießen kann und nicht nur Angst hat? Fragen, auf die ich nur Antwort erhalten werde, wenn ich mich auf dieses Abenteuer einlasse und ihn bei mir aufnehme.

 

12.07.2005

Heute Nacht habe ich natürlich auch ein bisschen in diversen Hunde-Internetforen geschmökert. Dabei ist mir der Begriff "Calming Cignals" aufgefallen, also die Signalsprache unter Hunden, die eine Menge sogenannte Beschwichtigungsgesten beinhaltet. Diese Gesten, ganz grob erklärt, regeln und fördern das friedliche Zusammenleben in einem Hunderudel.

Nachdem ich ja die letzten 16 Jahre 2 Terrier/bzw. Terriermix hatte, hat sich bei uns eine "eigene" Verständigung eingestellt. Dabei habe ich sicher auch Fehler gemacht, vor allem bei meiner -ersten- Cairnterrier-Hündin. Grundsätzlich hat das aber recht gut funktioniert, ohne daß es zu großartigen Mißverständnissen kam. Mein "Zweithund", der Terriermix, kam aus unschönen, privaten Verhältnissen. Der damals 8-monatige Treibauf hatte jedoch einfach ein grenzenlos sonniges Gemüt, also hat er das alles doch relativ gut weggesteckt, auch wenn man bis zum Schluß immer wieder mal etwas von seiner unguten Kindheit bemerkte.

Bei dem Rüden, den ich mir nun tatsächlich ausgeguckt habe, sehe ich vor allem das Problem, daß er schon 5 Jahre alt ist und auf keinerlei Menschenkontakt eingestellt ist.

Seltsamerweise sind die anderen erwachsenen Hunde von diesem Züchter sehr zutraulich, kommen sofort angewuselt zum Streicheln, usw. Nur halt Sharky nicht. Der scheint irgendwann einmal in seiner Welpen- oder späteren Zeit schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Stubenrein wird das Kelrchen sicher nicht sein, großartig erzogen auch nicht, aber er reagiert auf die wenigen Kommandos des Züchters sehr folgsam. Immerhin ein Lichtblick.
Ich rechne aber durchaus mit einer "Flegelphase", wo er seine neu errungene Freiheit auf die Probe stellen wird. Aber das schaffen wir sicher auch noch, bin ja terrier-erbrobt.
Warum ich mir gerade einen solchen Ex-Zuchtrüden ausgeguckt habe? Hmmm.... wo die Liebe halt hinfällt... Und dann natürlich auch meine Überlegung, was dem Kerlchen blühen könnte, wenn ihn keiner nimmt. Die Welpen dieses Züchters sind natürlich alle zuckersüß, die wird der sicher alle los. Aber den Rüden....?

Das ist er, er heißt Sharky


 

13.07.2005

In einem Internetforum erhielt ich einige prima Buchtipps. Die haben mir schon mal recht gut weiter geholfen. Vor allem das Buch von --> Frau Turid Rugaas , "Calming Signals", Die Beschwichtigungssignale der Hunde, war für meinen Zweck sehr interessant.
Kurzbeschreibung des Buches:
"Ihre Forschungsarbeit über Beschwichtigungssignale bei Hunden und Wölfen hat die Norwegerin Turid Rugaas weltweit bekannt gemacht. In diesem Buch erklärt sie, warum, wann und wie Beschwichtigungssignale von Hunden eingesetzt werden. Ebenso beschreibt sie, wie wir Menschen die Signale erkennen, deuten und sogar selbst einsetzen können.
Eine spannende Einladung, die faszinierende Welt der hundlichen Kommunikation noch besser kennenzulernen - mit vielen Farbfotos und Fallbeispielen."

Über diese Calming Signals habe ich auch eine Menge im Internet gefunden. Damit bin ich für den heutigen Besuch bei Sharky gleich viel besser gewappnet.

Die Sache mit dem Unterstützen von solchen Züchtern, wenn man ihnen einen Hund abnimmt, ging mir natürlich auch durch den Kopf. Andererseits kann so ein kleiner Kerl auch nichts dafür, wenn er ausgerechntet in so eine Zucht hineingeboren wird und dort nur seine Pflicht erfüllen muß/darf. Ich denke, schlimmer wäre es, wenn man so einem Mann einen Welpen abnimmt. Das ist es eigentlich, was die Weiterzucht erst so richtig fördert.

Immerhin haben mir diverse Forenbeiträge auch etwas Mut gemacht, mich an so einen "Ausmusterungshund" heranzutrauen.
Ich bin schon gespannt, wie es heute mit Sharky läuft.
 

13.07.2006

Heute Abend war wieder Sharky-Besuch angesagt. Es lief besser, als ich erwartet hatte. Er kam gleich auf mich zugelaufen zum kurzen Schnuppertest, als er mich an seiner Box auftauchen sah. Das ist ja schon mal was. Als ich seine Box betrat, hatte er dann doch erst mal einen großen Zitteranfall, den ich aber mit einem hingeworfenen Leckerle und einer Streicheleinheit beenden konnte.
Die Sache mit den calming signals funktionierte prima! Ich setzte mich in seine Box mit abgewandtem Blick und wartete ab. Sharky drückt sich mit dem Bauch auf den Boden, zuerst strikt abgewandter Kopf, lugt aber dann ganz vorsichtig zu mir herüber. Ich verstecke meine Augen hinter meinen Armen und blinzle nur ganz vorsichtig d'rüber. Da guckt er mich mit ganz großen Augen eine ganze Weile an, weil er sich ja unbeobachtet fühlt. Da war das dickste Eis schon mal gebrochen. An das Halsband, das ich ihm beim letzten Mal gleich dran ließ, scheint er sich schon etwas gewöhnt zu haben. Ich trug ihn dann nach draußen und siehe da: er ging diesmal sogar an der Leine. Zwar noch holprig, aber immerhin. Beim halbstündigen Spaziergang zockelte er eher nervös hinter mir her, wollte sich auch mal losreißen, aber er hielt dann tapfer durch. Ich saß anschließend noch fast eine Stunde mit ihm in seiner Box und redete mehr mit der Wand als mit ihm. Hin und wieder bekam er einige Streicheleinheiten. Er hielt zwar eine Distanz von einem halben Meter ein, aber er beruhigte sich zusehends. Sogar die Grassamen, die in seinem Fell hingen, ließ er sich schließlich herauskämmen und eine kleine Zahninspektion ließ er auch geduldig über sich ergehen (erstaunlich wenig Zahnstein).
Als ich mich verabschiedete, sah er mich zumindest schon mal stehend, offen und frontal an. Er "markierte" (als Stressreaktion) auch nicht mehr die Boxenwände. Also schon ein kleiner Sieg, wie ich meine.

Ich denke, ich kann es wagen, ihn am Samstag abzuholen. Dann ist er aus dieser nach Ammoniak stinkenden Minibox (gut 2 qm groß) befreit und hat endlich mal Platz, sich auszuleben.
Das Wochenende wird zeigen, auf was für ein Abenteuer ich mich da eingelassen habe.


 

17.07.2005

Sharky ist nun heute Abend bei mir zuhause gelandet. Welche Aufregung für ihn! Während der Autofahrt bekam er einen Zitteranfall nach dem anderen. Das Wohnzimmer wurde gleich mal mit einem "Aufregungshäuferl und -see" eingeweiht...

Anfangs lief er stundenlang ganz nervös immer wieder das gesamte Wohnzimmer ab, schließlich übermannte ihn dann doch die Müdigkeit.
Ich bastelte ihm einen großen Karton als Höhle zurecht, in den ich sein Kissen legte, das er ja im Zwinger schon kennengelernt hatte. Ich schlief heute Nacht auf der Couch, damit er im Wohnzimmer bleiben konnte. Überaschenderweise schlief er aber dann mir zu Füßen vor der Couch und nicht in seiner "Höhle".

Sobald ich mich im Parterre bewege, läuft er mir aufgeregt hinterher. Dann war auch noch dieses schrecklich laute Gewitter heute Nacht.
Hunger hätte er schon, aber an den Futternapf traut er sich noch kaum.

Ich hab natürlich einige leckere Sachen probiert, aber aus der Hand nimmt er rein gar nix. Man muß es ihm zeigen und ihm dann vor die Hand auf den Boden legen, dann nimmt er es. Aber im Moment traut er sich nur ein Bisschen zu fressen, wenn ich länger nicht im Zimmer bin oder eine Weile ruhig am PC sitze.
Einige Tage Diät schaden ihm noch nicht. Das holt er wieder auf. Sollte er sich gar nicht zum Fressen überreden lassen, habe ich vom Züchter die Option, ihn zurück bringen zu können. Zumindest für einige Tage werde ich das dann auch in Anspruch nehmen, damit er wieder was auf die Rippen bekommt.
Na, das wird schon werden, schließlich hat jeder Indianer irgend wann mal richtig Kohldampf.
Immerhin hat er sich aber schon mit dem Hund der Nachbarn angefreundet, der nur wenig größer ist.

Insgesamt war ich mit der ersten Nacht sehr zufrieden.
Bin mal gespannt, wie das weiter geht....
 

18.07.2006

Also das mit dem Fressen hat sich jetzt zum Glück auch so erledigt: er hat heute Nacht klammheimlich den ganzen Napf geleert.
Mit Leckele sind wir auch schon schön am Üben, aber er hat fürchterliche Angst vor dem Rausgehen. Wenn er mal draussen ist, dann strullert er auch ganz brav an den nächsten Baum, aber bis ich ihn an der Leine habe, das ist ein Fiasko. Natürlich versuche ich es ihm im doppelten Sinne schmackhaft zu machen, aber der ist, wie mir scheint, alles andere als dumm und sehr gelehrig dazu. Da muß ich mir jedesmal was Neues einfallen lassen.
Naja, das werden wir auch noch hinbekommen, wäre ja gelacht...
 

20.08.2005

Jetzt möchte ich doch noch ein Bisschen von unseren letzten Erlebnissen erzählen.
Sharky ist ja nun schon seit 4 Wochen bei mir.

Der kleine Sharky ist leider eine sehr ängstlicher Hund. Er kennt wirklich rein gar nix: weder weiß er, was im Freien alles so los ist (Geräusche, Menschen, Gegenstände, etc.) noch weiß er, wie schön Streicheln und Kraulen sein kann.
Er hat wirklich vor allem Angst, nur vor anderen Hunden nicht. Egal wie groß.

Wir üben jetzt seit 4 Wochen ganz fleißig an der Leine gehen, nach draußen gehen, sich anfassen lassen, etc. Immerhin: er ist sehr gelehrig und lernt schnell, was man von ihm will. Nur trauen tut er sich halt noch nicht. 2 Schritte nach vorn, einer wieder rückwärts. Alles ist Sissyphusarbeit, aber immerhin: es wird schon ein Bisschen besser.

Immerhin pinkelt er auch seit 2 Wochen nicht mehr ins Haus, sondern wartet, bis man mit ihm rausgeht (alle 4 Stunden), auch wenn er dort vor jedem fremden Geräusch erschrickt. Meist sitzt er irgendwo am Rand im Zimmer und beäugt von dort aus alles sehr neugierig.
Hin und wieder läßt er sich sogar schon dazu hinreißen, sich tagsüber auch mal in meine Nähe zu legen. Dabei habe ich ihn neulich leider versehentlich auch noch leicht auf sein Füßchen getreten, weil ich mit ihm unter meinem PC-Tisch nicht gerechnet hatte. Das gab einen erneuten Rückzug seinerseits, wen wundert's.

Die Leckerle nimmt er mittlerweile dann doch schon aus der Hand und die Fellpflege läßt er geduldig über sich ergehen. Wenn ich aus dem Zimmer gehe, dann läuft er sofort hinterher und schaut, wohin ich gehe und was ich mache. Aber alles mit großem Abstand bitte. In den letzten Tagen zeigte er sogar einige Gesten, die vermuten lassen, daß er sich langsam etwas wohlfühlt. Ein entspannt langgestreckter Hund dösend am Boden ist doch schon ein riesiger Fortschritt gegenüber einem zitternden Angsthasen hinter dem Fernsehtischchen. Daß er wegen jedem Geräusch gleich wieder den Kopf hochreißt und nachsieht, was jetzt passiert, wird auch langsam weniger.

Im Großen und Ganzen scheint Sharky wirklich ein sehr schlauer und herzensguter Hund zu sein, der, wenn er mal richtig aufgetaut und eingewöhnt ist, sicher sehr lieb werden wird.
Ich bereue nicht, ihn von diesem Züchter weggeholt zu haben, auch wenn es sicher noch ein hartes Stück Arbeit werden wird, bis er mir richtig traut.

Übrigens: ich kann wirklich nur jedem das Buch "Calming Signals" an's Herz legen. Das hat uns Beiden ganz bestimmt ein sehr großes Stück weiter geholfen. Es ist gerade in so einem Fall sehr wichtig, die "Hundesprache" zu kennen, zu verstehen und selbst einsetzen zu wissen. Nur so kann man bei so einem kleinen Angsthasen größere Fehler vermeiden.
 

05.11. 2005

Sharky ist ja nun schon drei Monate bei mir. In letzter Zeit hat sich eine ganze Menge bei uns Beiden ereignet. Davon will ich Euch mal ein wenig berichten.

Sharky hat immer noch Angst vor dem angefasst werden, aber mittlerweile hat er mich offensichtlich als "Frauchen" anerkannt und folgt mir vor allem draußen auf Schritt und Tritt. Stubenreinheit (oder nicht) ist bei uns schon lange kein Thema mehr (was bei einem Zwingerhund eh relativ schnell klappte) und im Haus versteckt er sich auch nicht mehr unsicher hinter dem Fernsehtischchen.

Da er sich draußen im Freien immer besser an die diversen Geräusche gewöhnt hatte und recht gut folgte, ließ ich das Kerlchen nach und nach immer öfter ohne Leine in den (nicht eingezäunten) Garten. Er kam auch immer ganz brav nach längstens 15 Minuten zurück. Eines nachts brachte er mir dann ganz stolz sogar mal eine frisch gefangene Maus mit. Naja, so der Hit war das in meinen Augen nun auch wieder nicht, aber er fand's dafür um so toller....

Die Nachbar-Schäferhündin besucht er nun auch ab und an und legte sich mit ihr Seite an Seite in ihren (meist offenen) Zwinger. Auf mein kurzes Pfeifen kam er aber sofort wieder heim.

Sharky hat aber immer wieder mal Phasen, wo er leichte Rückschritte macht und so war es auch vor 3 Wochen. Er hatte auf einmal Angst davor, über die Terrassentür wieder in's Wohnzimmer zu kommen. Ich vermute den "bösen, lauten" Staubsauger als Grund, den ich davor im Einsatz hatte.

Naja, und dann..... auf einmal war Sharky verschwunden. Er kam von einem seiner Miniausflüge nicht mehr zurück. Ich fuhr alle 2 Stunden die gesamte Umgebung ab, rief mir die Kehle aus dem Leib (die müssen alle schon gedacht haben, da wohnt ne Irre, die tagelang laut "Sharky" rufend und pfeifend über die Wiesen läuft....), ich verteilte Zettel mit Bild an alle umliegenden Häuser und in den Läden, rief bei den Tierheimen an, verständigte die Polizei, verständigte die 3 Jäger bei uns (die sogar mit Rat und Tat recht hilfsbereit waren), ließ ihn im örtlichen Radiosender mehrmals durchsagen, aber nichts..... Das Kerlchen war wie vom Erdboden verschluckt und ward nicht mehr gesehen.
So ein scheuer Hund geht aber auch nicht mir-nichts, dir-nichts mit jedem Nächstbesten mit.... Vor Autos hat er solche Angst, daß er schon auf die Seite flüchtet, wenn der Wagen noch 100 m entfernt ist. Liegt er trotzdem irgendwo angefahren und verletzt im Gebüsch? Hat er sich etwas gebrochen und kann nicht mehr laufen? Wurde er im Wald von einem Luchs verletzt (die gibt es bei uns...) oder getötet? Oder hat er "nur" eine läufige Hündin gewittert und ist deshalb auf und davon? Wo schläft er denn jetzt überhaupt? Hat er einen trockenen Platz gefunden? Er kennt sich ja hier noch gar nicht richtig aus. Findet er überhaupt wieder heim? Kann er genügend Mäuse fressen oder findet er hin und wieder einen vollen Katzenfutternapf?

Über 2 Wochen lang setzte ich alle mir möglichen Hebel in Bewegung. Mein schlimmster Gedanke war: jetzt hatte der Kleine fast 6 Jahre so ein sch... Leben in dem winzigen Zwinger und dann sollte er seine neu errungene Freiheit nur so kurz geniessen dürfen? Fragt nicht, die nachfolgenden Nächte waren eine einzige Qual....

2 Wochen nach seinem Verschwinden wurde er auf einmal in unmittelbarer Nähe mehrmals gesehen. Immer in der Abenddämmerung oder in der morgendlichen Dunkelheit. Ist mein Hund aus Angst nachtaktiv geworden?
Einer der Jäger lieh mir eine Fuchs-Lebendfalle. Die präparierte ich mit getrocknetem Pansen, den Sharky sehr gerne mag. Außer dem kläglich miauenden Nachbarkater fing ich aber niemenden damit.

Und dann... 3 Tage später stand Sharky plötzlich abends im Dunkeln vor der Terrassentür und wollte rein.
Das hätte ihm wirklich früher einfallen können. Aber wer weiß, ob er nicht vorher schon mal geschaut hat, ob ich ihn wieder in "sein" Wohnzimmer lasse. Konnte ja keiner ahnen, daß Sharky sich zur nachtaktiven Eule mausert und zwischen 5 und 6 Uhr morgens oder nach 8 Uhr abends unterwegs ist. Bei Dunkelheit fällt ein fast schwarzer Hund wirklich nicht mehr auf. Bei uns gibt es ja keine Straßenbeleuchtung oder sowas, so voll auf dem Land.
1 kg hatte er an Gewicht verloren, was bei ursprünglich 6,5 kg schon eine ganze Menge ist. Meine Güte, sah der aus: das feine Fell völlig verstrubbelt. Gras, Stroh, Sand.... da war alles bestens reingeknotet. Jede Menge Zecken hingen an ihm dran. Einen kleinen Flohzirkus hatte er auch mit. Aber er roch sehr fein nach bestem Heu. Vielleicht hatte er die Schlafenszeit in einem Heustadel verbracht. Ansonsten war er aber wohlauf und schien gesund.

Wo er sich herumgetrieben hatte, konnte ich nicht erfahren. Die einzigen beiden Hündinnen in der Umgebung (ich lernte ja in der Zwischenzeit wirklich sämtliche Hunde der Gegend kennen...) sind kastriert.
Immerhin: er kam ganz alleine wieder, also scheint es ihm bei mir dann doch nicht so schlecht gefallen zu haben.

Am nächsten Tag schleppte ich ihn gleich zur Tierärztin. Die schor die schlimmsten Fellknoten mit der Schermaschine ab. Ansonsten konnte sie nichts weiter feststellen. Vor einigen Tagen stellte sich jedoch heraus, daß er sich Zwingerhusten eingefangen hatte, aber wohl nicht so doll, weil das Fieber schon wieder sinkt und er nicht mehr hustet. Ob er sich auch Borreliose eingefangen hat, wird sich in den nächsten Wochen noch herausstellen müssen. Ich hoffe nicht.

Puhhh..... So ein Lauser..... Da haben wir beide aber wirklich Glück gehabt. Ohne Leine darf Sharky im Moment nicht mehr nach draußen....
Das Ganze zeigt aber dann doch, daß die Instinkte eines Hundes, auch wenn er in einem Zwinger aufgewachsen ist und nie etwas anderes gesehen hat, meist besser sind, als man so vermuten würde.
Naja, die Hauptsache ist, er ist wieder da und ihm ist nichts passiert.

Ich bin ja mal gespannt, was noch so alles auf uns zukommt. Das war sicher erst der Anfang...
 

04.02.2006


Sharky mit längeren Haaren. Er hat sich mittlerweile
zum Shih-Tzu-ähnlichen Wollknäuel entwickelt

Seit Sharkys letzter Eskapade im Oktober hat sich imgrunde nur wenig ereignet. Er hat sich zwar einerseits zunehmend bei mir eingewöhnt, aber sich von mir einfach so anfassen und streicheln lassen schafft er immer noch nicht. Um zu ihm besser Zugang zu finden und ihn an's Anfassen zu gewöhnen, hole ich ihn mir immer wieder für kurze Zeit zum Kraulen auf den Schoß. Sein anfängliches, sehr verkrampftes Verhalten lockerte sich immer mehr. In letzter Zeit schien er bei mir auf dem Schoß auf dem Rücken liegend sogar einzuschlafen, was für seine Verhältnisse schon ein enorm großer Vertrauensbeweis ist. Trotzdem blieb er auf Distanz, sobald er wieder auf dem Boden stand.

Jupp, da kam mir doch erfreulicherweise ganz unverhofft Nachbars Kater "Minkie" zuhilfe

"Minkie" ist ein meist freilaufender, sehr zutraulicher, um nicht zu sagen, sehr aufdringlicher Katzenmann, der, wo immer er einen Menschen sieht, sofort angelaufen kommt, maunzend die Beine umstreicht und zum Kraulen auffordert.

Kürzlich kam "Minkie" beim Lüften plötzlich in unser Wohnzimmer und sprang mir auch sofort auf den Schoß.
Schock schwere Not, das war für Sharky eine völlig neue Situation: kein "Menschenbesuch" (vor dem er sich nach wie vor total fürchtet), sondern ein fremdes Tier, das noch dazu "in seinem Revier" meine volle Aufmerksamkeit fordert.
Bisher hatte Sharky im Freien alle Katzen völlig ignoriert, aber daß so ein Kerlchen einfach in unser Wohnzimmer kommt und von mir gekrault wird, das war dann doch zu viel für ihn. Das erste Mal, seit er bei mir ist, war er in heller Aufregung und ganz offensichtlich eifersüchtig bis zum Geht-nicht-mehr (was ich nie von ihm erwartet hätte). Sharky sprang am Boden hin und her, wedelte aufgeregt mit dem Schwanz, fing an zu fiepen und schließlich sprang der Zwerg mit einem Satz auf die Couch. Er stupfte mich an und schmiegte sich an mich, stellte sich auf meinem Schoß auf die Hinterbeine, legte seine Vorderpfoten auf meine Schulter und schleckte mir ins Gesicht (was ich ja normalerweise nicht so prickelnd finde...). Ich ließ ihn aber gewähren, denn so nah kam er mir von sich aus noch nie und ich nutzte die Gunst der Stunde Obwohl der Kater daraufhin schnell das Weite suchte, ließ sich Sharky auf einmal von mir ganz zart kraulen, vermutlich, um sich die Gewissheit zu holen, daß er der "Erste" in meiner Gunst ist. Da er dabei aber ganz offensichtlich unter großem Stress stand, brach ich die Kraulerei nach wenigen Minuten ab und sofort ging er wieder auf seine übliche Distanz.

Tja, diese neue Erfahrung wollte nun natürlich sehr behutsam als "Erziehungsmittel" eingesetzt werden, damit man nicht das Gegenteil erreicht. Ich beriet mich mit meiner Tierärztin, die schon einige Erfahrungen mit verhaltensgestörten Hunden gemacht hatte. Sie riet mir dazu, diesen Kater ruhig sehr vorsichtig als "Mittel zum Zweck" einzusetzen, um über diesen Umweg besseren Zugang zu Sharky zu finden und seine Angst vor Menschen zu verringern.

Von da ab ließ ich den Kater immer wieder mal (nur minutenweise) in's Wohnzimmer. Sharky zeigte immer die gleiche, aufgeregte Reaktion. Man sah aber, daß ihm sein neuer Konkurent zunehmend weniger Stress bereitete, zumal er feststellte, daß es genügte, dem Kater eine jagende Abwehrgeste anzudeuten, damit der sich wieder nach draußen verkrümelt.
Schließlich reichte es, wenn ich den gar nicht anwesenden Kater bei offener Terrassentür mit den üblichen Lockgeräuschen rief, die Sharky sehr schnell sehr gut einzuordnen wusste! Immer dann, wenn ich "Miezmiez" rief, kam Sharky sofort angesaust und siehe da: er ließ sich dann auch gleich ganz vorsichtig von mir am Öhrchen kraulen, während ich ganz freundlich, leise und beruhigend mit ihm redete und darauf achtete, daß meine eigenen Körperbewegungen sehr zurückhaltend ausfallen. Anschließend gab es ein kleines Leckerle, um sein Verhalten zu bestätigen. Um den Hund nicht zu überfordern, setzte ich diesen Trick nur gelegentlich ein, kraulte ihn dann nach wie vor nur minutenweise und wendete mich schließlich "ganz selbstverständlich" wieder meiner Arbeit zu.

Diese Lernphase zog sich ganz langsam über die letzten Wochen hin. Heute passierte es nun, daß Sharky sich das erste Mal ganz freiwillig von mir am Ohr und an der Brust kraulen ließ, ohne daß ich den Kater als "Hilfsmittel" eingesetzt hatte. Sharky wirkte dabei zwar noch immer unsicher, schien aber andererseits die Streicheleinheiten mittlerweile durchaus zu wollen und genießen zu können. Das zeigt mir, daß auch ein sechsjähriger Zwingerhund bei entsprechender Geduld durchaus noch lernen kann, mit dem Menschen vertrauensvoll umzugehen.

Nun heißt es, sein neu entstandenes Vertrauen auszubauen und vor allem zu festigen. Ich werde die Zeit der Krauleinheiten langsam immer mehr ausdehnen. Rückschritte wird es sicher auch dabei geben, aber der Grundstein ist nun gelegt.
 

07.09.2009

Nun habe ich sehr lange nichts mehr geschrieben und das aus gutem Grund:

Über 4 Jahre lang macht mir der kleine Kerl mittlerweile Freude!
Sharky hat sich erfreulicherweise nämlich so nach und nach zu einem recht "normalen" Hund entwickelt. Es gab zwar immer wieder einmal kleine Rückschläge, trotzdem baute er ganz allmählich immer mehr Vetrauen zu mir auf. Anfassen und Streicheln waren immer weniger ein Problem. Ganz im Gegenteil: Sharky hat sich mittlerweile zu einer richtigen "Schmusekugel" entwickelt: er kann von Kraul- und Streicheleinheiten gar nicht genug kriegen. Generell ist er sehr anhänglich geworden.

Er hat auch in anderen Bereichen sehr, sehr viel gelernt: auf der Straße ganz am Rand laufen und stehen bleiben, wenn ein Auto kommt; auf "Klickern" reagieren; sehr viele neue Befehle ausführen (Sitz, Platz, bleib, komm, warte, geh mit, gib her, u. v. m.). Überhaupt lernt er etwas sehr schnell, wenn er erst mal verstanden hat, was ich von ihm will. Haare bürsten und Krallen schneiden ist zur Normalität geworden und er hat nicht mehr Angst davor. Freudig kommt er angelaufen, wenn ich ihm das Halsband anziehen will. Er sucht mittlerweile auch Schutz und/oder Hilfe bei mir, wenn ihn beim Gassigehen irgend etwas beängstigt oder ein Ästchen am Bauchfell hängen geblieben ist und zwickt. Nur das Autofahren ist für ihn immer noch etwas suspekt. Immerhin hat er aber neulich den ersten Versuch unternommen, von selbst in's Auto reinzuhüpfen, weil er gemerkt hat, daß er dann mit mir mit darf und wir immer in interessanten Gefilden gassigehen.

Alles in Allem sind wir ein richtig gutes Team geworden, auch wenn er sich mit fremden Menschen immer noch etwas schwer tut. Aber auch das wird noch werden, da bin ich sehr zuversichtlich.

 

So sieht Sharky heute aus.
(anklicken zum Vergrößern)

 
  7. September 2009, © E. K.


 
 
  Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 13.02.2016    © E. K.