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Hardun, Laudakia stellio daani

Der Hardun

(Laudakia stellio)

 

Laudakia stellio daani

 

Der Hardun gehört zu der großen Familie der Agamen. Er ist die einzige noch existierende Agame Europas und wird, je nach Unterart, bis zu 35 cm groß, wobei der Schwanz ca. 2/3 der Gesamtlänge ausmacht. Alle anderen Agamenarten leben ausschließlich im asiatischen Raum.

Mein Hardun stammt aus der Südtürkei bei Marmaris. Das liegt an der südtürkischen Mittelmeerküste. Er hatte sich in einem Schuh eines Touristen versteckt und war so ganz aus Versehen nach Deutschland gekommen. Von seinem Fundort her kann er der Unterart Laudakia stellio daani zugeordnet werden.

Dieses stachelige Etwas war mit Schwanz gerade mal 12 cm lang, als es im Oktober 2001 zu mir kam: Ein Baby, das wohl im gleichen Jahr erst aus dem Ei geschlüpft war. Harduns sind leider relativ scheue Tiere, deren Fluchtdistanz in der Natur bei rund 10 m liegt. Mein Kleiner, der sich später als Weibchen entpuppte, lässt mich bei vorsichtigen Bewegungen immerhin bis auf 1 m herankommen. Diese Echsen haben jedoch ein ausgesprochen nettes Wesen, sind sehr friedfertig und, vorausgesetzt das Terrarium ist groß genug, sind auch sehr viel zu sehen.

Hier ein kurzer Steckbrief zum Hardun:

Unterarten und Verbreitung: (nach Beutler)
Laudakia stellio stellio: Griechenland, Ägäis, Kykladen, nördliche Türkei.
Laudakia stellio daani: einige ägäische Inseln, südliche Türkei bis Irak und Israel
Laudakia stellio cypriaca: Zypern
Laudakia stellio brachydactyla: Syrien, Nord Saudi-Arabien, Süd-Israel, Wüste Sinai, Negev-Wüste
Laudakia stellio picea: Südwest-Syrien, Süd-Libanon, Nord-Israel, Nordwest-Jordanien
Laudakia stellio vulgaris: Ägypten

Lebensraum: Harduns sind überwiegend bodenbewohnende Echsen aus steppenartigen Regionen oder Halbwüsten, die aber auch sehr gut und gerne klettern. Sie haben sich jedoch auch an menschliche Lebensräume angepasst und besiedeln z. B. u. a. Hotelmauern (wegen des Ungeziefers) oder Legsteinmauern in Menschennähe. Nachts verstecken sie sich in der Natur überwiegend unter Steinen oder in den Spalten von Legsteinmauern, aber auch mal in den auf der Terrasse abgestellten Wanderschuhen von Touristen :-)

Schutzstatus: Der Hardun ist nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen nicht geschützt. Allerdings hat die Flora- und Fauna-Habitatsverordnung (FFH) der Europäischen Union die Tiere in die strengste Kategorie aufgenommen. Demnach darf der in Südeuropa lebende Hardun nicht nach Deutschland eingeführt werden. Die Tiere sind bei der Unteren Naturschutzbehörde meldepflichtig. Es dürfen bei uns nur Nachzuchten angeboten und verkauft werden. Aus diesem Grund ist der europäische Vertreter von Laudakia in unseren Terrarien äusserst selten anzutreffen. Dagegen werden asiatische und afrikanische Vertreter von Laudakia (L. stellio brachydactyla, L. melanura oder L. atricollis) hin und wieder im Zoofachhandel angeboten.

Klima: Der südöstliche Mittelmeerraum zeichnet sich durch ein mildes, winterfeuchtes und sommertrockenes, heißes Klima aus. Wintertemperaturen von nachts 4C bis tagsüber 12 - 20C sind dort üblich. Im Sommer liegt der Temperaturbereich zwischen nachts um die 20 - 28C und tagsüber bis zu 40C.

Ernährung: Harduns sind überwiegend Fleisch- und Insektenfresser: Grillen, Heimchen, Heuschrecken, Maden der Wachsmotte, verschiedene Käfer und deren Larven, Falter aller Art, Asseln, Spinnen, Schaben, Regenwürmer und sogar Babymäuse gehören zu ihrem Speiseplan. In Zeiten der Futterknappheit verschmähen sie aber auch pflanzliches Futter nicht: Löwenzahn, Wegerich, Salat, sukkulente Pflanzen. Das Futter biete ich grundsätzlich frei verfügbar an, sodaß sich meine Dame die Insekten selbst fangen muß. Gefüttert wird bei dem erwachsenen Tier 3x die Woche. Wichtig sind regelmäßige Kalziumgaben, um Rachitis zu verhindern. Ich biete daher meiner Dame in kleine Würfelchen geschnittene Sepiaschale an, die sie gerne frisst. So dosiert sie die Kalziumaufnahme selbst und ich muß keine schädliche Überdosierung befürchten. Ihr Wasserbedarf ist gering, allerdings sehe ich meine Hardundame hin und wieder bei einem Bad: Zuerst sitzt sie am Gefässrand und paddelt nur mit den Vorderbeinchen im Wasser. Schliesslich springt sie in die 2 cm hohe Schale, paddelt wild mit den Vorderbeinchen und taucht auch mal den Kopf unter. Ich hatte mich lange gewundert, warum die Terrarienscheibe dauernd mit Wassertropfen verspritzt ist, bis ich das amüsante Schauspiel beobachten konnte.

Haltung im Terrarium: Die tagaktiven, sonnenhungrigen Echsen sind sehr bewegungs- und kletterfreudige, flinke Tiere, die bis zu 35 cm groß werden.
Entsprechend sollte das Terrarium dimmensioniert sein. Eine Grundfläche von 120 x 60 cm und eine Höhe von 100 cm sollte einem Pärchen wenigstens zur Verfügung stehen. Je gößer, desto besser.
Da die Echsen aus ihrem Lebensraum eine intensive Sonneneinstrahlung gewöhnt sind, ist m. E. eine 125W-Quecksilberdampf-Hochdrucklampe (HQL-Lampe) das Mindeste an Beleuchtung, was man einem Hardun bieten sollte. Meine Dame hat wegen der besseren Lichtqualität einen 150 W-HQI-Strahler (Halogen-Metalldampf-Hochdruckstrahler) zur Verfügung, unter dem sie sich ausgiebig "sonnt". Leuchtstoffröhren und Glühbirnenfunzeln sind für diese Tiere absolut ungeeignet, weil sie viel zu wenig Licht abgeben. Die Echsen verkümmern darunter wegen Lichtmangel. Die Beleuchtungszeiten passe ich den mediterranen Sonnenstunden im Sommer und im Winter an (8 - 14 Stunden täglich).
Eine regelmäßige UV-Bestrahlung mit der Osram Ultra Vitalux 300 W ist im Terrarium notwendig. Erst hierdurch können die Echsen genügend Kalzium in ihre Knochen einlagern. Nur so kann man Rachitis verhindern. 15 Minuten tägliche UV-Bestrahlung im Abstand von ca. 1 Meter ist hierzu ausreichend. UV-Leuchtstoffröhren sind auch hier wieder ungeeignet.
Die Terrarienausstattung besteht bei mir aus einem sandig-lehmigen Bodengrund, der ca. 2 cm hoch aufgeschüttet ist. Einige Steine, Wurzeln, Korkrinde und Äste bieten meinem Hardun Versteckplätze und Klettermöglichkeiten. Eine Korkrückwand bietet zusätzlich Klettergelegenheit. Über dem höchsten Punkt hängt der HQI-Strahler. Sein Lieblingsplatz ist unter diesem Strahler, wo er sich oft im Abstand von nur 10 - 15 cm bei Temperaturen von bis zu fast 70C förmlich grillen lässt. Die Nacht verbringt er unter einer flachen Korkrinde am Boden. Als zusätzliche Wärmequelle verwende ich eine große Heizmatte (65 x 35 cm, 40 W, unter den Bodengrund gelegt), um im Sommer die hohen Tages-Lufttemperaturen von bis zu 35C erreichen zu können. Ein Teil des Bodenbereiches sollte in jedem Fall unbeheizt sein, damit im Terrarium ein Temperaturgefälle entsteht. Nachts und im Winter ist die Bodenheizung nicht in Betrieb.

Winterruhe: Die südtürkischen Tiere aus Küstenlagen sind auch im Winter aktiv. Allerdings sind sie dann nur über mittags und nur kurz zu sehen. An sehr kühlen Tagen (Januar, Februar) bleiben sie auch mal eine Weile in ihren Verstecken. Tiere aus dem nördlicheren Verbreitungsgebiet und aus Höhenlagen (Griechenland, Nordtürkei, Taurusgebirge und Ausläufer davon) legen, je nach Witterung, eine regelrechte Winterruhe von 6 - 10 Wochen ein. Bei Temperaturen von 12 - 15C sollten sie dann auch bei uns eine Ruhezeit haben.

Freilandaufenthalt: Wer es seinem Hardun ermöglichen kann, sollte im Hochsommer unbedingt ein Freilandterrarium zur Verfügung stellen. Die natürliche Sonneneinstrahlung ist durch den besten Strahler nicht zu ersetzen! Ein ausbruchssicheres Terrarium (mit Seiten und Deckel aus feinem Maschendraht, 1 cm Maschenweite) in einer sonnigen Lage mit genügend Versteckplätzen wegen der Überhitzungsgefahr bringt den Tieren einen erheblichen Vorteil.

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Eine wesentlich ausführlichere Homepage über den Hardun finden Sie unter: http://www.schleuderschwanz.de

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http://www.t-hermanni.de 3. Juli 2004, © E. K.

 
 
  Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 21.09.2017    © E. K.